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DFB-Team im WM-Viertelfinale

Montag, Juni 28, 2010

Die DFB-Auswahl fertigte den Erzrivalen England am Sonntag im Achtelfinal-Klassiker in Bloemfontein deutlich mit 4:1 (2:1) ab und darf nun tatsächlich auf den ganz großen Triumph hoffen. «Das war heute eine über weite Strecken grandiose Leistung meiner jungen Mannschaft. Das hat schon Spaß gemacht, da zuzuschauen», lobte Bundestrainer Löw seine Spieler überschwänglich.

Die Routiniers Miroslav Klose (20.) und Lukas Podolski (32.) sowie der unbekümmerte Youngster Thomas Müller (67./70.) mit seinen WM- Toren zwei und drei machten vor 40 510 Zuschauern im Free State Stadion den Erfolg perfekt und schickten die «Three Lions» nach Hause. Im 15. WM-Viertelfinale wartet nun am Samstag in Kapstadt der zweifache Champion Argentinien oder Mexiko auf das DFB-Team. Löw: «Wir haben keinen Wunschgegner. Wir nehmen jede Herausforderung an.»

«Natürlich gibt uns das Selbstvertrauen für das nächste Spiel», sagte Bastian Schweinsteiger, der immer mehr in die Chefrolle auf dem Platz hineinwächst. «Wir haben als Mannschaft gezeigt, dass wir alles erreichen können, wenn wir zusammenhalten. Unser Traum ist der Titel, wir wollen jeden schlagen», gab der wiederum starke Mesut Özil als Devise für die nächste Runde aus. Mit dem Erreichen des Viertelfinales hat jeder deutsche Spieler schon 50 000 Euro sicher.

Matthew Upsons Kopfballtor zum 1:2 konnte die höchste Schlappe der Engländer in einem WM-Spiel nicht verhindern. Allerdings haderten die Briten wegen eines «Torklaus» zurecht mit Referee Jorge Larrionda aus Uruguay. Das tat der Freude im deutschen Lager aber keinen Abbruch. «Riesen-Glückwunsch, es war ein sensationeller Sieg. Macht weiter so», gratulierte der verletzte Kapitän Michael Ballack via ARD.

44 Jahre nach dem legendären Wembley-Tor erhitzte auch bei der 32. Auflage des Klassikers eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters die Gemüter - diesmal die der Engländer. Beim Schuss von Frank Lampard in der 38. Minute prallte der Ball von der Unterkante der Latte deutlich sichtbar hinter der Torlinie auf, doch weder Larrionda noch sein Assistent an der Seite hatten dies bemerkt. Die wütenden Proteste der «Three Lions» blieben ohne Wirkung. «Das muss der Linienrichter sehen. Das war ein klares Tor», meinte Franz Beckenbauer bei «Sky».

Die Deutschen hatten das Prestige-Duell lange Zeit erstaunlich sicher im Griff und lieferten ihre beste Turnierleistung. Das Kombinationsspiel lief auf Hochtouren, die Offensivabteilung zeigte sich von ihre besten Seite. Klose, für den angeschlagenen Cacau ins Team zurückgekehrt, unterstrich im 99. Länderspiel seinen Wert mit seinem 12. WM-Treffer. Damit liegt in der ewigen WM-Torschützenliste in Gerd Müller (14) nur noch ein Deutscher vor dem Münchner, der mit seinem 50. DFB-Tor zudem ein Jubiläum feierte. Nur zehnmal weniger traf in Länderspielen Podolski. Und für den 20-jährigen Müller ging der kometenhafte Aufstieg weiter. «Manchmal geht mir das selbst alles ein bisschen zu schnell», meinte der «Mann des Spiels» verblüfft.

Erst wenige Stunden vor dem Anstoß war die Ungewissheit um den Schweinsteiger-Einsatz beendet. Der Münchner erhielt nach intensiver medizinischer Betreuung ebenso grünes Licht wie Jerome Boateng, der nach dem Ghana-Spiel auch über muskuläre Probleme geklagt hatte. Und Schweinsteiger erwies sich sofort als Kopf des Teams. Er organisierte im Mittelfeld und leitete mit Özil viele gefährliche Aktionen ein. Da sich dafür Sami Khedira mit Vorstößen zurückhielt, gewann das deutsche Mittelfeld die gegen Ghana vermisste Sicherheit zurück.

Auf dem Rasen setzte die deutsche Elf mit einem Durchschnittsalter von 24,8 Jahren die Akzente. Die Löw-Schützlinge besaßen schon nach fünf Minuten die Chance zum 1:0 durch Özil. Mit einer Fußabwehr blockte der fast 40-jährige Torwart-Oldie David James den Schuss des Bremers aus spitzem Winkel ab. Bereits in dieser Szene zeigte sich, dass die Abwehr der «Three Lions» nicht im Bilde war.

Dann leitete ein 80 Meter-Abschlag von Manuel Neuer die deutsche Führung ein. Der agile Klose nahm den Ball auf, setzte sich im Laufduell gegen Upson durch und traf zum wichtigen 1:0. Dieses Tor verlieh der deutschen Mannschaft Flügel. Plötzlich liefen die Kombinationen wieder wie am Schnürchen. In der 30. Minute hätte Klose bereits für das 2:0 sorgen können, als er nach Khediras Zuspiel dem englischen Tor zustrebte. Diesmal blieb James der Sieger. Doch zwei Minuten später war der Schlussmann durch Podolskis Schuss aus spitzem Winkel erneut geschlagen. Müller hatte die Vorarbeit geleistet.

Die DFB-Elf brachte den Vorsprung aber nicht in die Kabine. Als Boateng nach Steven Gerrards Flanke das Kopfballduell gegen Upson verlor und Neuer zu spät aus seinem Kasten kam, hieß es durch den Abwehrspieler von West Ham United nur noch 1:2. Damit waren auch die Engländer endgültig in der Partie zurück.

Auch sechs Minuten nach Wiederbeginn war die DFB-Auswahl mit Fortuna im Bunde, als ein Freistoß von Lampard aus fast 35 Metern an die Latte krachte - Neuer zeigte kaum eine Reaktion. Und die Engländer blieben am Drücker, immer häufiger rückte das deutsche Tor in den Blickpunkt. In dieser kritischen Phase behielt vor allem Arne Friedrich kühlen Kopf und klärte manch brenzlige Situation, ehe ein schneller Konter über Schweinsteiger das erlösende dritte Tor durch Müller brachte. Wenig später lief Özil der englischen Abwehr auf und davon. Müller machte mit dem vierten Tor den Sack endgültig zu.

Highlights/Tore: Hier
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